Meditation – Verbindung zur inneren Energiequelle

09.08.2019
Anna E. Röcker

Dieses Gleichgewicht ist heute mehr denn je in Gefahr, da wir immer weniger Zeit haben für die Stille, für das Zur-Ruhe und damit das Zu-sich-selbst-Kommen.

Wenn die Außenimpulse überwiegen und das Gleichgewicht nachhaltig gestört wird, zeigt sich das z.B. in nervöser Unruhe, in Schlafstörungen, negativen Gedanken, ständigen Sorgen oder Ängsten.

Wenn die Intuition, die leise innere Stimme, kaum oder nicht mehr gehört wird, bekommen die Außeneinflüsse einen immer größeren Stellenwert und wir werden leichter beeinfluss- und manipulierbar.


Meditation ist ein über Jahrtausende bewährter Weg, zu dieser inneren Quelle zu gelangen, die in unserer Seele, im Kern unserer Persönlichkeit verborgen liegt. Hier schlummern ungeahnte Kräfte, hier hat das Urvertrauen ins Leben seinen Sitz und auch die Verbindung zu einer transpersonalen Energie. Die Intuition ist die Botschafterin aus dem Inneren. Sie zeigt uns, wie wir die innere Weisheit nutzbringend für uns und andere einsetzen können. Sie hilft uns, in schwierigen Lebenssituationen richtige Entscheidungen zu treffen und durch oft aufgewühlte Emotionen hindurch den Weg zu einem stimmigen Gefühl zu finden. Das ermöglicht uns, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden und das Tragfähige und Beständige vom Flüchtigen das sich an äußeren Normen oder an einer gängigen Mode orientiert.


Meditation – ein Wort mit vielen Bedeutungen

Nach seiner Herkunft kommt der Begriff „Meditation“ aus dem Lateinischen und kann mehrdeutig übersetzt werden. Meditation (von lateinisch „meditari“ bzw. „meditatio“) bedeutet so viel wie nachsinnen, nachdenken. Aber auch den Begriff „exerzitienmäßig“ üben findet man auf der Suche nach der Herkunft des Wortes. Der Begriff „Nachsinnen“ hat zu tun mit „den Sinn erfahren“, in dem wir in der Meditation den Sinn des Meditationsobjektes erfahren, in dem wir ganz innerlich eins werden mit ihm.
Die indogermanische Wurzel „med“ bedeutet ursprünglich wandern, abschreiten, abmessen – das Wort könnte also auch mit den Wörtern Maß und Muße verwandt sein, sogar mit „medicus“, dem Arzt, dem „klug ermessenden Ratgeber“. Die Verbindung mit Maß und Muße könnte bedeuten, dass die Meditation ein Weg ist, das eigene Maß zu finden, die eigene Zeit, den Augenblick als Einheit mit der Ewigkeit zu erfahren.


Nachfolgende einige Aussagen von Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meditationskurse aus den letzten Jahren:


  • Meditation bringt Ruhe und ein tiefes Gefühl der Entspannung
  • Meditation stärkt die Selbstwahrnehmung und dadurch können einengende Gedanken und Gefühle erkannt und verändert werden
  • Meditation führt zur Selbstverantwortung, sie hilft uns zu erkennen, wo wir handeln oder uns abgrenzen oder wo wir eine Situation akzeptieren müssen
  • Meditation schafft innere Freiräume für Kreativität im Alltag
  • Meditation führt dazu, dass wir erkennen, wo wir uns selbst versklaven durch immer neue Wünsche und Ziele, deren Befriedigung nicht zufrieden macht
  • Meditation führt zur Erkenntnis, dass Freiheit immer erst in unserem eigenen Kopf beginnt
  • Meditation macht uns toleranter und liebesfähiger


Heute beschäftigen sich viele wissenschaftliche Studien mit der Wirkung von Achtsamkeitstraining und Meditation. Ganz allgemein findet man in den Ergebnissen dieser Untersuchungen Aussagen wie:


Regelmäßige Meditation


  • führt zu besserem Umgang mit Stress, d.h. Stress-Situationen werden leichter erkannt und können teilweise vermieden werden und Stress kann leichter abgebaut werden
  • hat positive Auswirkung auf Gehirnfunktionen; Konzentration, Gedächtnis und Lernen verbessern sich; die Zusammenarbeit der rechten und linken Gehirnhälfte wird intensiviert
  • unterstützt das Verändern von eingefahrenen Verhaltensmustern durch Training der affektiven Schaltkreise im Gehirn
  • beeinflusst tiefer liegende Strukturen des Gehirns, in denen unter anderem starke Emotionen wie Wut und Angst verarbeitet werden; dadurch entsteht eine verbesserte Emotionsregulation. Gleichmut, Gelassenheit und vor allem Mitgefühl mit uns selbst und anderen können gestärkt werden. Bereits nach 8 Wochen regelmäßiger täglicher Meditation zeigen sich hier Veränderungen im Mandelkern des Limbischen Systems (im Verarbeitungs-Zentrum unserer Gefühle).
  • führt zur Verlangsamung des Alterungsprozesses (die Dichte der grauen Substanz bleibt bei regelmäßig Meditierenden länger erhalten, das gleiche gilt für die Dichte der Nervenfaserbündel)


Vier Schritte auf dem Weg zur Meditation

Die alten Schriften Indiens zeigen eine Auseinandersetzung mit der Innenwelt des Menschen, die bereits vor Jahrtausenden begann. Eine der wichtigsten Quellen ist dabei das Yogasutra (Sanskrit: Sutra – Faden). Patanjali, der Verfasser der vor etwa 2000 Jahren lebte, gliederte seine Schriften in vier Kapitel und 195 Verse. Dabei handelt es sich um eine Art Leitfaden für den Yoga Weg. Jeder große Yoga Meister Indiens hat diese Schriften neu interpretiert und so wurden sie auch für uns westliche Menschen verständlich gemacht. Es geht darin u.a. um die Art und Weise, wie unser Denken funktioniert, wie wir das Wahre vom Schein zu unterscheiden können oder wie wir die eigenen Verhaltensmuster erkennen und gegebenenfalls verändern können. In diesen Erkenntnissen und Anweisungen sahen die Weisen Indiens den Ansatz zur Entwicklung des Menschen. Hier finden wir auch die vier Schritte auf dem Weg zur Meditation als fünfte bis achte Stufe auf dem sogenannten Achtstufigen Pfad des Yoga.


  • Erster Schritt – sich vorbereiten mit Bewegung, Körperübungen, Entspannung, Sitzhaltung einnehmen, Handhaltung wählen, Anfangsritual
  • Zweiter Schritt – vorbereitende Atemübungen, den Atem beobachte
  • Dritter Schritt – Achtsame Wahrnehmung des Körpers, der Gedanken und Gefühle
  • Vierter Schritt – Konzentration auf das gewählte Objekt konzentrieren – Überleitung zur Meditation
  • Der fünfte Schritt – Die Grenze zwischen Konzentration auf das gewählte Objekt und Meditation ist fließend. Manchmal sitzt man und es gelingt einem kaum, die Konzentration für ganz kurze Zeit zu halten, bevor wieder ablenkende Gedanken auftauchen. Das passiert zwar am Anfang häufiger aber auch wenn man bereits länger meditiert, ist man davor nicht gefeit. Dann gibt es die Momente, in denen es still wird in einem und man erlebt, dass man in einer tiefen inneren Verbindung ist mit dem Konzentrationsobjekt. Dann scheint die Zeit still zu stehen und eine tiefe Ruhe stellt sich ein.


Die in den Yoga Schriften empfohlenen Themen, auf die sich die Konzentration als Ausgangspunkt auf die Meditation richten kann, beziehen sich auf gegenständliche und nicht-gegenständliche „Objekte“ wie z.B.


  • die Bewegung des Atems
  • ein Bereich des Körpers (das Herz, die Brust, der Nabel)
  • ein Yantra (eine geometrische Form)
  • ein Chakra-Symbol
  • ein Bild (ein Andachtsbild, ein Symbol für das Göttliche, das Bild eines Gurus)
  • die Sonne, der Mond, die Sterne, ein Baum, eine Blume
  • inneres Licht
  • ein Mantra (ein Wort, eine Silbe, ein Gebet)
  • der innere unhörbare Ton
  • die innere Stille


Das Meditationsobjekt ist dabei die Tür, die hineinführt in die Meditation, umso tiefer, je weniger ablenkende Gedanken und Gefühle auftauchen.


Meditation im Alltag

Die Yoga Meditation sollte in der Regel in aufrechter Sitzhaltung durchgeführt werden. Die vorbereitenden Körperübungen dienen dazu, dass diese Haltung über einen gewissen Zeitraum bequem eingehalten werden kann. Die vier Stufen geben hier eine gut nachvollziehbare Anweisung auf dem Weg von außen nach innen.


Meditation sollte aber nicht nur auf der Yoga-Matte geübt werden, sondern auch im Alltag. Ein Spaziergang durch den Wald, eine tiefe Begegnung mit einem Menschen, die Stille in einer Kirche, Laufen oder Schwimmen usw. kann zu einer Art meditativen Erfahrung führen. Darüber hinaus kann regelmäßig geübte Meditation die Erfahrungen des Alltags vertiefen und zu kurzen inneren Erholungsphasen führen, die uns immer wieder ins Gleichgewicht zwischen Innen und Außen bringen können.


Die Aufgabe von Yogalehrerinnen und Lehrern ist es, die Meditation in den Yoga Kursen zu vermitteln. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine gute Anleitung an die Hand gegeben werden, wie sie selbst zu Hause Meditation praktizieren und diese wunderbare Möglichkeit für ihr Leben nutzen können.

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